informationen

  • Dauer des Projekts: Anfang Oktober bis Ende November 2018
  • Auftraggeber: eigener Auftrag
  • Thema: Kann man überhaupt stressfrei zügeln?

mein auftrag

Ich habe es mir zur Aufgabe oder zum Auftrag gemacht, mir selbst und auch euch einen Gefallen zu tun, indem ich über das Umziehen – Zügle, wie ich es fortan nennen werde, um Missverständnisse zu umgehen – blogge. Im Moment stehe ich selber vor einem Umzug, weshalb ich finde, dass das Thema gut passt. Weil ich erst im November zügeln werde, bietet mir das noch ein wenig Zeit, um darüber zu schreiben und mir darüber Gedanken zu machen, wie ich das am Besten anpacken will.

der auftraggeber

ausgefuxt

Ich zügle nicht das erste Mal, nein. Aber das erste Mal während ich mich erstens gut vorbereite und das erste Mal seit ich einen Blog habe.
Nach ungefähr 3 Jahren sammelt sich einiges an in meinem Zuhause. Und was bei viel Platz nach wenig aussieht, ist bei wenig Platz viel zu viel. Un die Frage aller Fragen stellt sich bereits beim Karton anschaffen. Wie schätze ich ab, was alles mitkommt? Und woher weiss ich, was ich alles brauche und was nicht? Was kann weg? Was muss bei mir bleiben und warum?

Es gibt viele gute Ratschläge, ja sogar ganze Bücher zum Beispiel über das Thema „Minimalismus“.  Ich persönlich finde das bewundernswert, wenn man alleine wohnt und seinen Standort oft wechselt, wenn man viel auf Reisen geht und nur mit Rucksack und Trinkflasche losmarschiert.
Aber was ist, wenn man zum Beispiel in einer Partnerschaft lebt? Wenn man Kinder hat oder noch welche möchte und bereits einiges Material für „den Fall der Fälle“ lagert? Was ist mit den Geschenken, die man bekommt oder Erinnerungen, die man behalten möchte?
Das sind alles Dinge, die einen begleiten und zu der Person gemacht haben, die man jetzt ist.

Kommen wir zum Wesentlichen. Wie startet man das Ganze eigentlich? Man muss ja schon ziemlich abgestummen sein auf Kündigunsfristen und so weiter. Sonst zahlt – wer Pech hat – zwei bis drei Monatsmieten doppelt. Wer will das schon? Also ich bestimmt nicht, deshalb ist es am allerwichtigsten, dass man genau weiss, welche Kündigungsfristen zu welchen Zeitpunkten gelten. Nicht jede Wohnung kann auf jeden Monat gekündigt werden. Oft darf man nur 3 Mal im Jahr seine Wohnung künden. Lest das in eurem Mietvertrag nach.

Ich bin ein grosser Fan vom Entrümpeln. Alles, was man die letzten zwei Jahre nicht gebraucht hat, kann weg. Aber schon bei der Frage WOHIN, muss man wieder viel Zeit investieren. Ich persönlich finde wegschmeissen ja ganz schön blöd und unnötig. Ein Schrank, den man nicht mitnehmen will oder kann, das Sofa, das zu gross in der neuen Wohnung, aber noch schön ist.

Ehrlich gesagt ist dieser Umzug für mich wie ein Neuanfang. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und alles neu einrichten. Also komplett. Neuer Tisch, neue Stühle, neue Schränke, neues Sofa neues Geschirr neue Deko. Phu. Am Ende siegte aber mein Verstand und jetzt freue ich mich, mit all meinen bestehenden Sachen, die neue Wohnung einzurichten. Ich habe gemerkt, dass es unglaublich schade wäre, die intakten Möbel zu ersetzen.

Hinterfragt euch deshalb immer, ob es nötig ist, gleich alles auf den Kopf zu stellen.

Falls doch etwas weg soll oder muss, dann gibt es etliche Plattformen, um die Sachen an den Mann zu bringen. Ich verkaufe meine Sachen vor allem auf tutti.ch. Neu nutze ich auf die Plattform Market Place auf Facebook. Wobei ich ehrlich sein muss: Dort habe ich bisher noch nichts verkauft.

Tutti funktioniert dann gut, wenn man keine all zu hohen Erwartungen hat. Man muss es also locker sehen, wenn jemand, der 100% zugesagt hat, an besagtem Tag doch nicht auftaucht. Aber ich denke das ist eine Krankheit der heutigen Gesellschaft, die auf solchen Plattformen zum Tragen kommt. Regt euch also nicht auf. Jedenfalls läuft bei tutti.ch alles über den E-Mail Verkehr (optional kann man seine Handynummer sichtbar machen). Das Inserieren geht problemlos und es gibt sogar eine App dafür, die das Aufschalten / Bearbeiten eines Inserats bubieinfach macht. Geht doch mal auf die Webseite und macht euch ein eigenes Bild.

Abgesehen vom Verkauf an Fremde gibt es immer wieder dankbare Abnehmer in der Familie oder im Umfeld, die Sachen abnehmen, die nicht in die neue Wohnung mitgenommen werden können. Schwatzt aber niemandem etwas auf. Das habe ich fast aus Versehen gemacht. Ich habe jemandem mein Bettsofa geben wollen, der es vielleicht in einem Gästezimmer gebrauchen könnte. Ich habe dann am Schluss gemerkt, dass es vor allem mein Wunsch war, das Sofa noch in Sichtweite zu behalten, Kurzerhand habe ich es dann (über Tutti) verkauft.

Was mir auch geholfen hat, war ein kleiner Flohmarkt, den ich auf dem Sitzplatz veranstaltet habe. Dinge aus dem Haushalt beispielsweise, die ich nicht mehr gebrauchen konnte, stellte ich auf den Gartentisch und die Familie und die Nachbarschaft konnte sich aussuchen, was sie wollte. Das gibt erstens tollen Gesprächsstoff, zweitens macht man jemandem eine Freude und vor allem muss man (fast) nichts wegwerfen.

Packt nur das ein, was ihr wirklich mitnehmen möchtet und beginnt früh genug, den Rest zu verkaufen, vergeben oder zu verschenken.
Glaubt mir: Es ist immer noch viel zu viel Zeug. Auch ich musste das mit einem kleinen Schrecken feststellen.

Der Tag des Umzugs rückte immer näher und es beginnt ein neues Kapitel. Trotzdem gab es noch viel zu tun. Man schwebt sozusagen zwischen zwei „Daheims“. Man möchte unbedingt dies und jenes noch ein allerletztes Mal im alten Zuhause erleben. Noch einmal den Backofen benutzen, noch einmal das Lieblingsessen geniessen, noch einmal einen Spieleabend machen und noch ein letztes Mal vor dem TV einen spannenden Film schauen. Macht das, wenn ihr das braucht, um euch von dem alten Zuhause zu verabschieden. Es tut gut, zu wissen, dass man aus den Vollen geschöpft hat.

Ich freute mich vor allem auf das Neue. Neu einrichten, mich zurechtfinden usw. Für mich hatte der Umzug etwas Befreiendes, weshalb ich mich ganz und gar auf das Kommende konzentrieren konnte. Es ist und tut immer gut, wenn man nach Vorne schauen kann und das Vergangene als schöne Erinnerung aufbewahren kann. Auch wenn das nicht immer so einfach ist.

Organisatorisch gesehen ist es wichtig, dass ihr wisst WIE ihr umziehen möchtet. Über ein Umzugsunternehmen? Mit einem Möbellift? Ich habe mich lange mit dieser Frage herumgeschlagen, Offerten eingeholt und überlegt. Schlussendlich habe ich mich dagegen entschieden und Freunde & Familie dazu angestiftet.
Mir gefiel es, dass so viele meiner Freunde bereit waren, zu helfen. Zum Glück passte fast alles in den Personenlift, sodass die Möbel usw. nur vom Parkplatz bis zum Eingang getragen werden musste. Alle haben sich gut verstanden. Wir haben gelacht und hatten Spass, trotz Anstrengung. Das war es wert. Es gibt so einen persönlichen Touch in die ganze Sache.

Trotzdem ein paar Pro & Contras zum Thema Umzugsunternehmen:

Pro:

  • Ausgebildete Zügelmänner
  • Schaden wird vom Unternehmen bezahlt
  • Sicherheit
  • Keinen eigenen Rückenschaden
  • Bringen Transportmittel

Contra

  • Natürlich den Geldbetrag, den man bezahlen muss. Für jemand mit einem kleinen Portemonnaie ein wichtiges Contra.
  • Fremde Leute in der Wohnung
  • Emotionen und etwas „gemeinsam Schaffen“ bleibt weg
  • Es gibt kein Helferessen

Sobald das alte Zuhause leer und das Neue einigermassen eingerichtet ist, kommt auch schon das Putzkommando. In meinem Fall waren das ich und mein Freund. Glücklicherweise mussten wir das Haus nur „Besenrein“ abgeben. Jemand anderes hätte das bestimmt wörtlich genommen. Für mich war klar: Besenrein heisst für mich trotzdem Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Kühlschrank, WC, Dusche, Badewanne und Boden müssen gereinigt werden. Ansonsten hätte ich wohl das Haus mit einem sehr schlechten Gewissen abgegeben. Aber das bin halt ich. Das sieht jeder anders. Ich stell mir nur vor, wie willkommen ich mich fühlen würde, wenn ich einziehe und in der Waschmaschine noch restliches Waschmittel finden würde. Nicht sooo prickelnd. Stellt euch also immer vor, wie ihr euer neues Zuhause antreffen möchtet. Das „bisschen“ Putzen kostete uns dann aber doch einen guten halben Tag.

Es gibt dafür Reinigungsfirmen, die das für euch übernehmen. Jeder, der von einer Mietwohnung ausgezogen ist, wird vermutlich mit einer Reinigungsfirma in Kontakt gekommen sein. Ich musste das nicht, weil bei einem Haus die Reinigung eigentlich Sache der Neukäufer ist.

Nach dem Umzug stehen noch viele kleinere Dinge an. Zum Beispiel das Anmelden auf der Gemeinde usw.
Damit ihr an diesem Tag alle notwendigen Dokumente dabei habt, rate ich euch, die Webseite der Gemeinde zu besuchen und euch die Infos vorzeitig zu holen. In der Schweiz kostet jede Ummeldung in der neuen Gemeinde CHF 35.00. Manchmal kann man mit Karte bezahlen. Manchmal nicht. Bis auf die Gemeinde und das Strassenverkehrsamt kann man die Adressänderung in der Regel online machen. Normalsterbliche wie ich brauchen dafür vielleicht eine bis zwei Stunden.

Am Sichersten ist es natürlich, wenn ihr wie ich auf der Post eure Adresse als erstes meldet und die Post auf die neue Adresse umleiten lasst. So könnt ihr auch im Nachhinein noch Adressänderungen vornehmen, wo ihr es vergessen habt.

Es gibt im Internet etliche Checklisten, die ihr einsehen könnt, damit auch nichts vergessen geht. Diese Checklisten beinhalten so ziemlich alles, weshalb ich darauf verzichte, dies in mein Blogprojekt zu kopieren. Einfach bei Google Checkliste Adressänderung eingeben und los gehts.

Zu Beginn habe ich mir die Frage gestellt, ob es stressfreies Zügeln überhaupt gibt. Ob es möglich ist, alles so zu planen und organisieren, dass man sich nach dem Umzug nicht gleich 4 Wochen Kur verschreiben muss. In meinen Augen ist es möglich. Ich fühlte mich wenig gestresst und meine Vorfreude auf das Neue überdeckte immer die kleinen Stress- oder Störfaktoren. Ich habe mir genügend Zeit gelassen. Habe frühzeitig alle Dinge, die ich nicht mehr brauchen konnte oder wollte inseriert oder weitergegeben, sodass am Schluss „nur“ noch das übrig war, was ich mitnehmen wollte. Mitgespielt hat das Wetter am Zügeltag und auf jeden Fall all die Menschen um mich, die geholfen haben und die auch noch bis am Abend mitgeholfen haben. Ein bisschen unterschätzt haben wir den Fahrtweg, der uns Zeit gekostet hat, die wir nicht richtig eingeplant haben. Hinzu kommt die Woche „Ferien“, die ich nach dem Umzug noch hatte. Da nutzte ich die Zeit damit, mich an- und abzumelden und die neue Wohnung zu einem richtig gemütlichen Zuhause einzurichten.

Ich fühle mich nicht im Ansatz gestresst. Im Gegenteil. Ich bin voller Energie und frei von Sorgen. Und obwohl es eine emotionale Entscheidung war, ist es doch die Richtige. Ich bin total entspannt und geniesse die letzten Herbsttage nun auf dem Balkon.

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